09.05.2023

Die vier Evolutionsstufen von Sprint Reviews – Stufe 3

In unserer Arbeit mit vielen verschiedenen Scrum Teams haben wir einigen Reviews zum Sprintende beiwohnen dürfen. Dabei haben sich in unserer Wahrnehmung vier verschiedene Evolutionsstufen herauskristallisiert in die man die Veranstaltungen gut einteilen kann.

In unserer Arbeit mit vielen verschiedenen Scrum Teams haben wir einigen Reviews zum Sprintende beiwohnen dürfen. Dabei haben sich in unserer Wahrnehmung vier verschiedene Evolutionsstufen herauskristallisiert in die man die Veranstaltungen gut einteilen kann.

Nach den beiden ersten Stufen – PowerPoint und Demo – geht es in diesem Artikel unserer Blogreihe aus dem Bereich Agilität um den Marktplatz als Möglichkeit, ein Review durchzuführen. Die Artikel zu den bisherigen Stufen findest du hier:

Nach den beiden ersten Stufen – PowerPoint und Demo – geht es in diesem Artikel unserer Blogreihe aus dem Bereich Agilität um den Marktplatz als Möglichkeit, ein Review durchzuführen. Die Artikel zu den bisherigen Stufen findest du hier:

Stufe 3: Marktplatz oder "Darf ich auch mal probieren?"

In unserer Arbeit mit vielen verschiedenen Scrum Teams haben wir einigen Reviews zum Sprintende beiwohnen dürfen. Dabei haben sich in unserer Wahrnehmung vier verschiedene Evolutionsstufen herauskristallisiert in die man die Veranstaltungen gut einteilen kann.

Wie sieht das aus?

Das Scrum-Team hat eine Version des Produkts entwickelt und lädt interessierte Nutzer:innen und Stakeholder:innen zum Ausprobieren ein. Product Owner:in und Team sind anwesend, um Fragen zu beantworten, aber vor allem um die Interaktion der Menschen mit dem Produkt zu beobachten. Die Gelegenheit kann auch dazu verwendet werden, über zukünftige Optionen der Entwicklung des Produkts ins Gespräch zu kommen. Damit alle Besucher:innen die umgesetzten Storys selber erleben können, bietet es sich an, das Review mit dem Format „Marktplatz“ zu organisieren. Dabei werden z.B. in einem Konferenzraum oder in einer Lobby an mehreren Stationen Notebooks aufgebaut. Die anderen Teilnehmer:innen können dann in einem Rundgang die implementierten Storys ausprobieren. Remote lässt sich das Format (nach einer initialen Anmoderation) mit Hilfe von Breakout-Sessions realisieren. Falls die Nutzung des Produkts auf den Notebooks der Teilnehmer:innen nicht möglich ist, können die Entwickler:innen in den Breakout-Sessions zur Not auch kurzzeitig die Steuerung ihrer Notebooks freigeben.

Vorteile

  • Die Auftraggeber:innen agieren direkt mit dem Produkt und machen eigene Erfahrungen. So können sie dem Team im Anschluss dann echtes, selbst erlebtes Feedback gegeben. Außerdem lassen sich Leute dabei beobachten, wie sie das Produkt benutzen – die nicht-verbalen Reaktionen verraten oft mehr über die Nutzbarkeit als die ausgesprochenen Rückmeldungen. Es ist natürlich auch möglich, die Auftraggeber:innen aktiv dazu zu animieren, die anderen Teilnehmer:innen des Reviews an ihren Gedanken teilhaben zu lassen.
  • Ein längerer Slot (3-4 Stunden) entzerrt den Termin und gibt Leuten die Möglichkeit, einen Besuch leicht in den eigenen Tagesablauf einzuplanen. Das Event hat so eine größere Reichweite und das Team hat Zeit, sich mit den Menschen individuell zu beschäftigen. Zusätzlich können neben den Demo-Stationen auch weitere Stände aufgebaut werden: bspw. zu Roadmaps, Funktionswünschen oder Einblicken ins Vorgehensmodell.

Nachteile

  • Ein technischer Ausfall oder noch bestehende Fehler im Produkt fallen sofort auf und können einen negativen Eindruck hinterlassen.
  • Die Vorbereitung und das zeitliche Invest in den Termin selbst sind größer als in den Stufen 1 und 2. Es müssen Testrechner bereitgestellt werden und Ansprechpartner:innen vor Ort sein.

Wer ist typischerweise anwesend?

Das Scrum-Team ist anwesend und betreut die einzelnen Stationen. Zu Besuch können alle Interessierten kommen. Es darf nur nicht vergessen werden, auch echte Nutzer:innen einzuladen. Stakeholder aller Art sind ebenfalls willkommen. Auch wenn der Begriff Martplatz hier eine gewisse Größe impliziert, kann der Teilnehmerkreis auch kleiner sein.

Wann nutzen?

Markplätze sind gut, um abgeschlossene Meilensteine vorzustellen und ein Stück in die Zukunft zu schauen. Sie dienen dazu, Feedback zu fertiggestellten Funktionen und zum bis dahin gewachsenen Inkrement einzuholen. Es können sich Impulse für Anpassung bestehender Funktionalität, für Designänderungen der Oberfläche oder für zukünftige Funktionen ergeben. Zu häufig durchgeführte Marktplätze nutzen sich ab: Es kommen weniger Menschen und es gibt weniger zu zeigen. Die Frequenz sollte bei quartalsweise oder darüber liegen. Generell ersetzen Marktplätze nicht die regelmäßigen Reviews am Sprintende. Sie stehen zu diesen also in Konkurrenz um die Zeit der Besucher:innen.

Was würden die Erfinder von Scrum - Jeff Sutherland und Ken Schwaber - sagen?

Jetzt kommen wir der Sache schon näher: Es werden echte Inkremente ausprobiert und authentische Reaktionen beobachtet. Jeff und Ken würden sich den Marktplatz vermutlich für jeden Sprint wünschen – wir halten das jedoch nicht für eine gute Idee: Aufwand und Nutzen passen nicht zusammen. Es hat sich zu wenig verändert seit dem letzten Sprint. Marktplätze machen Spaß, weil sie etwas besonderes sind und das bleiben sie, wenn sie selten durchgeführt werden. Außerdem würden uns die beiden vermutlich den Tipp mitgeben, dem Feedback sehr gut zuzuhören und hauptsächlich Fragen zu stellen anstatt den aktuellen Zustand des Produkts zu begründen.

Minifazit

Für Scrum-Teams liefern Marktplätze signifikant mehr Feedback als Demo- oder PowerPoint-Reviews. Die meisten Teams nehmen Marktplätze in ihren Kalender auf, wenn sie erst einmal einen durchgeführt haben.

Ab und zu bietet es sich jedoch an, noch einen Schritt weiter zu gehen. Im letzten Post der Serie geht es um Stufe 4: Kontinuierliche Innovation oder „Daten statt Bauchgefühl“

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Autor:Innen

Dr. Kay Hildebrand

Dr. Kay Hildebrand hat viele Jahre Erfahrungen mit Agilität und Führung gesammelt. Seine aktuellen Schwerpunkte liegen im Bereich Innovationsmanagement, Strategieprozesse und New Work.

Gero Zimmer

Gero Zimmer ist Berater für Agilität und Prozessautomatisierung. Er begleitet Teams bei agilen Veränderungsprozessen und unterstützt Kunden als Integrationsarchitekt bei der Digitalisierung von Prozessen.

DIE NÄCHSTE EVOLUTIONSSTUFE

Weiter geht es mit dem letzten Teil unserer Blogserie: Kontinuierliche Innovation oder "Daten statt Bauchgefühl"

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