24.06.2024

Gemeinwohl-Ökonomie verbessern mit Soziokratie: Ein partizipatives Organisationsmodell

Michael Efferz über die Wechselwirkungen zwischen Gemeinwohl-Ökonomie und Soziokratie.

GWÖ Und Soziokratie

Die Soziokratie und die Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) sind zwei Modelle, die sich gegenseitig ergänzen und ein gemeinsames Ziel verfolgen:

Eine gerechtere und nachhaltigere Gesellschaft zu schaffen.

In diesem Beitrag zeigen wir die positiven Wechselwirkungen auf.

Die Soziokratie und die Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) sind zwei Modelle, die sich gegenseitig ergänzen und ein gemeinsames Ziel verfolgen:

Eine gerechtere und nachhaltigere Gesellschaft zu schaffen.

In diesem Beitrag zeigen wir die positiven Wechselwirkungen auf.

Die Soziokratie ermöglicht es Organisationen, mittels flexibler Strukturen das Zusammenwirken zu gestalten sowie faire und effektive Entscheidungen zu treffen.
Die Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) basiert auf den Werten der Menschenwürde, Solidarität, sozialen Gerechtigkeit, ökologischer Nachhaltigkeit, Transparenz sowie Mitentscheidung und hat eine Bilanzierungsmethode entwickelt, die es Organisationen ermöglicht, ihre Leistung in Bezug auf diese Werte zu messen.

Die Anwendung soziokratischer Methoden kann zu einer deutlichen Verbesserung der Gemeinwohl-Bilanz führen. Durch den starken Fokus auf Gleichberechtigung, Teilhabe und Transparenz nimmt die Soziokratie einen starken positiven Einfluss auf die Werte der Gemeinwohl-Ökonomie. Sie unterstützt auch die aktive Beteiligung  der in der Gemeinwohl-Ökonomie betrachteten Berührungsgruppen, wie Eigentümerinnen, Mitarbeiterinnen, Kunden und gesellschaftliche Gruppen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Kombination von Soziokratie und Gemeinwohl-Ökonomie Organisationen dabei unterstützen kann, ihre Ziele auf eine gerechte und nachhaltige Weise zu erreichen. Sie fördern eine Kultur der Teilhabe und des gemeinsamen Gestaltens, stärken das Verantwortungsbewusstsein und die Loyalität der Mitarbeitenden und tragen dazu bei, eine tiefere Bindung der Mitarbeitenden zur Organisation zu schaffen.

Was ist die Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ)?

Die Gemeinwohl-Ökonomie ist ein Wirtschaftsmodell, das auf den Werten der Menschenwürde, Solidarität, sozialen Gerechtigkeit, ökologischer Nachhaltigkeit, demokratischer Mitbestimmung und Transparenz basiert. Die Gemeinwohl-Ökonomie hat eine Bilanz entwickelt, die es Organisationen ermöglicht, ihre Leistung in Bezug auf diese Werte zu messen. Die Bilanz basiert auf der Gemeinwohl-Matrix aktuell in der Version 5.0, die 20 Themenbereiche abdeckt. Diese Themenbereiche bilden sich aus den GWÖ Werten

  1. Menschenwürde,

  2. Solidarität und Gerechtigkeit

  3. ökologische Nachhaltigkeit

  4. Transparenz und Mitbestimmung.

und deren Anwendung auf die 5 Berührungsgruppen

   A   Lieferanten

   B   Eigentümer*innern & Finanzpartner*innen

   C   Mitarbeitende

   D   Kund*innen

   E   Gesellschaftliches Umfeld

Zum Thema GWÖ und Zertifizierung hielten der GWÖ-Berater Tobias Daur und Holger Kaufmann von der viadee einen Vortrag auf dem NAVIGATE Kongress 2024 (zum Videomitschnitt).

Weitere Infos findet ihr auch auf den Seiten der Initiative Gemeinwohl-Ökonomie Deutschland.

GWÖ Matrix

Was ist die Soziokratie?

Die Soziokratie ist ein Organisationsmodell, welches Organisationen mit Strukturen und Methoden unterstützt, die eine Kultur der gleichberechtigten Teilhabe an der gemeinsamen Gestaltung erfolgreicher Organisationen verfolgen. Die Bestandteile solcher Organisationen gestalten sich nach den 4 Basisprinzipien der Soziokratie:

Soziokratie Vier Basiselemente Viadee Spark

Dabei helfen die Methoden offene Wahl und Entscheidungsfindung im Konsent Teams die Selbstorganisation praktisch umzusetzen indem sie gleichberechtigt, zielorientiert sowie kompetenzbasiert zusammen arbeiten.

Die Strukturelemente Kreisstruktur und doppelte Kopplung helfen Organisationen individuell so zu strukturieren, dass Eigentümer:innen, Mitarbeitende, Kunden und weitere Gruppen mit ihrer jeweiligen Perspektive, Erfahrungen und Bedürfnisse einen wirksamen Beitrag leisten können.

Die Soziokratie und die GWÖ ergänzen sich gegenseitig durch das gemeinsame grundlegende Prinzip eine gerechtere und nachhaltigere Gesellschaft zu schaffen. Die Soziokratie ermöglicht Organisationen faire und effektive Entscheidungen zu treffen, während die GWÖ sicherstellt, dass Organisationen ihre Wirkung anhand der Werte der GWÖ ausrichten und kontinuierlich verbessern. Durch die Anwendung soziokratischer Methoden können Organisationen eine deutliche Verbesserung ihrer Gemeinwohl-Bilanz erreichen.

Mehr zur Soziokratie bei viadee spark.

Wirkung der Soziokratie auf die Werte der Gemeinwohl-Ökonomie

GWÖ Und Soziokratie

Menschenwürde

Soziokratisch geprägte Organisationen haben eine klare Vision und abgeleitete Ziele, die Kreise darin unterstützen, ihre Entscheidungen auf diese Ziele auszurichten oder Einwände zu formulieren, wenn eine Lösung diesen Zielen entgegensteht. Organisationen mit einer hohen Gemeinwohl-Orientierung haben ihre Ziele so ausgerichtet, dass die Wahrung der Menschenwürde durch ihr Handeln gewahrt bleibt.

Die Methode der Entscheidungsfindung im Konsent stellt sicher, dass schwerwiegende Einwände gegen Entscheidungen, die formulierten Zielen zum Erhalt der Menschenwürde  entgegenstehen, respektiert werden. Dadurch wird das Risiko minimiert, gegen die Menschenwürde zu verstoßen.

Eine Organisation in einer Kreisstruktur stellt sicher, dass genügend Ressourcen für eine kompetente Entscheidungsfindung vorhanden sind und etwaige Risiken durch unterschiedliche Perspektiven antizipiert werden können.

Die doppelte Kopplung sorgt dafür, dass bei der Entscheidungsfindung sowohl Unternehmensinteressen als auch Erfahrungen aus der Praxis und Bedürfnisse, beispielsweise der Mitarbeitenden, gleichermaßen berücksichtigt werden können.

Solidarität und Gerechtigkeit

Die Werte Solidarität und Gerechtigkeit sind in der GWÖ geprägt durch Empathie, Wertschätzung und Mitgefühl mit anderen sowie im Recht auf Chancengleichheit. Beide Werte zielen darauf ab, Ungerechtigkeit zu reduzieren, Verantwortung zu teilen und eine Balance zwischen Stark und Schwach herzustellen.

Dieses Werteverständnis bestärkt die Soziokratie durch die auf gemeinschaftliches Arbeiten ausgerichteten Methoden und Meetingstrukturen. Beginnend mit einem rituellen Check In teilen wir vor der inhaltlichen Arbeit bereits unsere aktuelle Stimmungslage und Bedürfnisse für das anstehende Meeting. Das hilft einander als Menschen wahrzunehmen und emphatisch auf individuelle Situationen im weiteren Meetingverlauf einzugehen.

Besonders hervorzuheben ist auch die offene Wahl als Methode zur wertschätzenden und kompetenzbasierten Besetzung von Rollen im Kreis. Die Benennung eines Vorschlags für die Besetzung der Rolle durch jedes Kreismitglied, inklusive der persönlichen Pro-Argumente für den jeweiligen Vorschlag, ist ein besonders wertschätzender Prozess, der die persönlichen Bindungen stärkt und die Übernahme von Rollen erleichtert.

Die Entscheidungsfindung im Konsent sorgt durch das Prinzip der Gleichwertigkeit aller Kreismitglieder dafür, dass Chancengleichheit und Gerechtigkeit unterstützt werden.

ökologische Nachhaltigkeit

Die Soziokratie kann mittels Strukturelemente wie temporären Hilfskreisen unterstützen Projekte mit ökologischen Schwerpunkten zu entwickeln und unterstützt methodisch die gemeinschaftliche Ausgestaltung ökologischer und anderer Themen.

Transparenz und Mitentscheidung

Transparenz ist in der Gemeinwohl-Ökonomie wichtig für die Möglichkeit zur Teilhabe für  relevante Berührungsgruppen. Dies beinhaltet die Offenlegung wichtiger Informationen wie Protokolle, Gehaltsstrukturen und Entscheidungen über Einstellungen ebenso wie über Entlassungen. Die Betroffenen sollen in Entscheidungen einbezogen werden, angefangen von Anhörung bis hin zu gemeinsamen Entscheidungen.

Die Soziokratie unterstützt diesen Wert in besonderem Maße. Sie sichert durch klar organisierte Informationswege zwischen den Kreisen einen lebendigen Austausch und sorgt so für ausreichend Transparenz von Informationen, um gemeinsam gute und nachhaltige Entscheidungen zu treffen. Durch die Beteiligung aller Mitarbeitenden, direkt oder über delegierte Personen, wird die Teilhabe aller Organisationsmitglieder etabliert. Durch die klare Intention gemeinsam die Grundsätze der Organisation zu gestalten kann die Teilhabe in allen Bereichen ausgelebt werden. Mit der Dokumentation von Entscheidungen im sogenannten Logbuch, besteht für alle Kreise stets Klarheit, was wann entschieden wurde. Jede Entscheidung im Logbuch trägt zudem ein Gültigkeitsdatum zu dem spätestens ein Review der Entscheidung erfolgt, was eine systematische kontinuierliche Verbesserung und Aktualität des Logbuchs gewährleistet.

Die Wirkung der Soziokratie auf Berührungsgruppen der Gemeinwohlbilanz

Die Soziokratie basiert auf gemeinsamer Organisation unter Einbeziehung aller Betroffenen und Berücksichtigung verschiedener Perspektiven. Dies wird durch Kreisstrukturen erreicht, in denen Mitglieder autonom zur Organisation beitragen und fokussierte Ziele verfolgen. Die Einbindung erfolgt direkt oder über delegierte Personen, die Interessen von Personengruppen z.B. der Mitglieder einer Organisation vertreten. Strategische Interessen sind in den Kreisen durch die Rolle der Kreisleitung repräsentiert. Diese beiden Rollen sichern die Integration unterschiedlicher Perspektiven für die Entscheidungsfindung.

Mit einer Kreisstruktur können im soziokratischen Organisationsmodell leicht Kreise für verschiedene Berührungsgruppen in der Gemeinwohl-Ökonomie organisiert werden, um ihre aktive Beteiligung wirksam sicherzustellen. Neben klassischen Kreisen mit Eigentümer:innen und Mitarbeiter:innen können auch Kreise mit Kunden oder gesellschaftlichen Gruppen gebildet werden, um auf deren Bedürfnisse gezielt einzugehen. Die Einbindung von Berührungsgruppen ist erstrebenswert, da so die Organisation konkret auf deren Bedürfnisse eingehen kann. So kann bei der Entscheidungsfindung im Konsent das Risiko, Entscheidungen zum Nachteil der Betroffenen zu treffen, präventiv entgegengewirkt werden.

Die GWÖ hat weiterhin zum Ziel die Eigentümerschaft in Organisationen möglich umfassend zu verwirklichen. Eigentümerschaft stärkt auch immer Verantwortungsbewusstsein ebenso wie die Loyalität zur Organisation. Die Soziokratie verfolgt das gleiche Ziel durch die Einladung zu echter Teilhabe an der Gestaltung der Organisation. Beide Konzepte bestärken sich hier gegenseitig und lassen so durch Eigentümerschaft und Teilhabe eine tiefe Bindung der Mitarbeitenden zur Organisation entstehen.

Mehr über Soziokratie erfahren?

Weiterführende Informationen, sowie die herzliche Einladung zur Teilnahme an unseren kostenlosen Impulsveranstaltungen haben wir hier für Sie zusammengestellt. Melden Sie sich gerne bei einem unserer kompetenten Ansprechpartner, sofern Sie Fragen haben oder Interesse an einer Impulsveranstaltung für Ihre Organisation haben.

Weiterlesen: Alle Informationen und Angebote von viadee spark zum Thema Soziokratie.

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Autor:Innen

Michael Effertz

Er engagiert sich dafür, Teams mit modernen, gemeinschaftlich geprägten Arbeitsweisen zu mehr Zufriedenheit im Job zu verhelfen. Dabei vermittelt Michael mit Methoden der Soziokratie viel Klarheit in partizipativen Strukturen.

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