12.07.2023

Soziokratie Basisprinzipien: Kreisstruktur

Die Kreisstruktur dient der Strukturierung von Aufgaben und Mitarbeitenden in soziokratischen Organisationen. In diesem Artikel möchten wir dir zeigen, wie das im Detail funktioniert.

Kreisstrukrur Skizze Soziokratie Zeichnung viadee spark

Neben der Entscheidung im Konsent, der doppelten Kopplung und der offenen Wahl ist die Kreisstruktur eines der vier Basisprinzipien der Soziokratie.

Neben der Entscheidung im Konsent, der doppelten Kopplung und der offenen Wahl ist die Kreisstruktur eines der vier Basisprinzipien der Soziokratie.

Kreise sind nicht nur geometrische Formen

In der Soziokratie unterteilen sich Organisationen in mehrere Kreise, die gemeinsam die Kreisstruktur der Organisation bilden. Jedes Mitglied der Organisation ist auch Mitglied mindestens eines Kreises. Jeder Kreis verfügt über ein Ziel und einen definierten Aufgabenbereich und agiert innerhalb dieser Grenzen autonom. Ein Kreis ist also immer auch ein leitendes Gremium, welches die Ausführungsprozesse steuert.

Die Kreise einer Organisation wirken zusammen und müssen daher auch miteinander verbunden sein. Dies erfolgt über das Prinzip der Doppelten Kopplung, das wir bereits kennengelernt haben und im nächsten Blogartikel nochmal genauer vorstellen werden. Teilnehmer aus unterschiedlichen Kreisen kommen so in einem allgemeinen Kreis zusammen. In allgemeine Kreise kommen Delegierte und Kreisleitungen aus allen verbundenen Kreisen zusammen und gestalten gemeinsam den Arbeitsrahmen, der für mindestens zwei der Kreise relevant ist. So kann sichergestellt werden, dass alle Betroffenen sich in die Entscheidungsfindung einbringen können. Der oberste Kreis in der Organisationsstruktur wird als Leitungskreis bezeichnet.

Für die Ausarbeitung eines Vorschlags zu einem definierten Thema oder sogar um eine Entscheidung für ein Thema zu treffen, können Hilfskreise gebildet werden. Diese Hilfskreise sind temporär, haben einen definierten Auftrag und lösen sich nach Erfüllung des Auftrags wieder auf. Hilfskreise haben auch eine Kreisleitung, zur Sicherstellung der Erfüllung des Ziels.

Ein Kreis organisiert innerhalb seiner Domäne folgende Themen selbst:

  • Umsetzung der Zielverwirklichung
  • Aufgabenverteilung, Funktionen und Aufgaben der Mitglieder
  • Arbeitsbesprechungen zur laufenden Organisation der Ausführung
  • Kennzahlen zur Fortschritts- und Erfolgsmessung
  • Einstellen und Entlassen von Kreismitgliedern
  • Organisation der Durchführung von Entwicklungsgesprächen
  • Weiterbildungen und Wissensmanagement

Domäne eines Kreises

Jeder Kreis hat ein definiertes Ziel und einen definierten Entscheidungsbereich. Diese bilden den Rahmen, in dem ein Kreis autonom Entscheidungen treffen und somit selbstwirksam werden kann. Mit der Domäne sind die Mitglieder des Kreises in Anzahl und benötigten Rollen festgelegt. Der Kreis entscheidet also, wer zur Erfüllung des Produkt- bzw. Leistungsversprechens erforderlich ist.  Die Domäne des Kreises muss passend zum Rahmen des übergeordneten Kreises sein. Um dies sicher zu stellen, muss die Definition der Domäne durch den übergeordneten Kreis im Konsent bestätigt werden. Auch die Domäne des übergeordneten Kreises wird im Konsent beschlossen; Rückmeldungen dazu aus den untergeordneten Kreisen fließen in die Konsentierung ein.

Zur Definition einer Domäne kannst du unsere kostenlose Domain Canvas Vorlage verwenden, die am Ende des Artikels heruntergeladen werden kann.

Rollen in einem Kreis

 

 

Soziokratie - Rollen im Artikel zur Kreisstruktur

 

Innerhalb eines Kreises benennt die Soziokratie vier Rollen: KreisleitungDelegierte:rGesprächsleiter:in und Schriftführer:in.

Kreisleitung 

Die Kreisleitung wird von einem übergeordneten Kreis eingesetzt und hat die Aufgabe, die Unternehmensinteressen innerhalb eines Kreises zu vertreten. Sie organisiert die eigenen Kreisversammlungen und lädt die Teilnehmenden ein. Kreisleiter:innen müssen sicherstellen, dass ihr Kreis Ziele hat und aktiv deren Erreichung verfolgt. Dabei sind sie verantwortlich dafür dass es eine Agenda gibt (müssen aber nicht unbedingt an deren Erstellung beteiligt sein). Dabei misst und steuert die Kreisleitung die Ausführung aller Aktivitäten, die auf das Ziel hinwirken. Auf diese Weise soll sie auch eine positive Spannung im Kreis halten. Durch die Beseitigung von Hindernissen stellen Kreisleiter:innen sicher, dass der Kreis seine Arbeit möglichst effizient erledigen kann. Kreisleiter:innen nehmen sowohl an den Kreisversammlungen des übergeordneten Kreises als auch an denen des untergeordneten Kreises teil. An der Stelle sei erwähnt, dass die Kreisleitung keine disziplinarische Führung impliziert.

Delegierte

Delegierte vertreten die Interessen eines Kreises im jeweils übergeordneten Kreis und wirken in diesem aktiv an Entscheidungsfindungen mit. Sie dienen als Informationsschnittstelle zwischen den beiden Kreisen und stehen als Repräsentanten für die Bedürfnisse ihrer Kreismitglieder ein. Delegierte werden von den Mitgliedern eines Kreises gewählt.

Gesprächsleiter:in

Die Gesprächsleiter:innen bereiten die Kreisversammlungen vor. Sie planen die Agenda inhaltlich und zeitlich und übernehmen die Moderation und stellen dabei die korrekte Anwendung der soziokratischen Gesprächsmethoden sicher. Die Themen auf der Agenda ordnen sie den Kategorien Information, Ausführung, Beratung oder Entscheidung zu. Dabei bringen sie die Agendathemen auch in eine sinnvolle, zeitliche Reihenfolge. Kreisleitung und Schriftführer:in stehen sie bei der Nachbereitung der Versammlung unterstützend zur Seite.

Schriftführer:in

Die Schriftführer:innen sichern die Ergebnisse der Kreisversammlungen und dokumentieren getroffene Grundsatzbeschlüsse im Logbuch. Sie unterstützen die Kreisleitung beim Anfertigen der Agenda indem sie die Kreismitglieder einladen, weitere Punkte für die Agenda beizusteuern. Logbucheinträge merken sie vor Ablauf auf der Agenda vor. Die Versammlungsteilnehmenden laden sie dazu ein, die Agenda sinnvoll zu ergänzen.

Ausblick

Im nächsten Teil schauen wir uns genauer an, wie das Prinzip der doppelten Kopplung zwei Kreise miteinander verknüpft.

Erfahre mehr über die Wirkung der Soziokratie in Organisationen.

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Autor:Innen

Gero Zimmer

Gero Zimmer ist Berater für Agilität und Prozessautomatisierung. Er begleitet Teams bei agilen Veränderungsprozessen und unterstützt Kunden als Integrationsarchitekt bei der Digitalisierung von Prozessen.

Michael Effertz

Er engagiert sich dafür, Teams mit modernen, gemeinschaftlich geprägten Arbeitsweisen zu mehr Zufriedenheit im Job zu verhelfen. Dabei vermittelt Michael mit Methoden der Soziokratie viel Klarheit in partizipativen Strukturen.

Sociocratic Domain Canvas

Zur Definition einer Domäne kannst Du unsere kostenlose Domain Canvas Vorlage verwenden.

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